Clickbaits–Was Paola und Samuel gemeinsam haben

Facebook hat das “Liken” eingeführt und damit leider auch dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Ich mag einen Artikel, dann like ich ihn und meine Freunde und Bekannten sehen diesen “Like”. Dann wissen meine Bekannten und Freunde, dass dieser Artikel möglicherweise auch für sie lesenswert ist. Je mehr Leser den Artikel liken, desto größer wird die Verbreitung dieses Artikels. Das lässt sich wunderbar missbrauchen: man legt Like-Köder (oder auf englisch Clickbaits) aus.

Die Wikipedia schreibt zu Clickbaits:

Ein Clickbait besteht in der Regel aus einer reißerischen Überschrift, die eine sogenannte Neugierlücke (englisch curiosity gap) lässt. Sie teilt dem Leser gerade genügend Informationen mit, um ihn neugierig zu machen, aber nicht ausreichend, um diese Neugier auch zu befriedigen, ähnlich einem Cliffhanger.

Besonders verwerflich sind Clickbaits in Form von meist gestohlenen Bildern: misshandelte oder kranke Kinder, Menschen mit sichtbaren Verletzungen, Menschen mit sichtbaren Behinderungen. Die abgebildeten Menschen wissen meistens gar nichts von dem Missbrauch ihrer Fotos und reagieren entsetzt.

Solche Köder dienen nur einem: dem Betreiber dieser solcher reißerischen Seiten. Seine “Likes” schnellen in astronomische Höhen. Clickbaiter sind Huffington Post, heftig.co, BuzzFeed – aber heute auch vermehrt Spiegel online, Focus oder heute. Anmerkung zu der Frage „Was haben die davon?“. Je mehr Likes desto teurer die Werbeanzeigen auf diesen Seiten. Andere wollen einfach nur mit der Zahl der Likes angeben.

Zwei Beispiele, die sich schnell recherchieren lassen:

Paola Antonini ist ein brasilianisches Model, die 2014 bei einem Unfall ein Bein verloren hat. Sie geht selbstbewusst und offen mit ihrer Behinderung um. Von “like mich” oder Scham ist auf ihrer Seite nichts zu lesen.
Ihre Facebookseite: https://www.facebook.com/paolaantoninireal/

Aber ihr Foto wird regelmäßig missbraucht, um zum Beispiel auf so dubiosen Seiten wie “Augen auf schau rein” um Likes zu betteln. Der Text lautet stereotyp: “Niemand teilt mich. Weil ich behindert bin. Viele Menschen schämen sich für mich”. Mit Verlaub – das ist Schwachsinn.

Der Bericht dazu bei mimikama: http://www.mimikama.at/allgemein/die-formen-der-likegeilheit/

Samuel Ettore ist 2005 in Vietnam geboren und hatte als Säugling einen großen Blutschwamm im Gesicht. Er wurde von einer kalifornischen Familie adoptiert, lebt heute gesund und munter mit seinen Geschwistern und Eltern in den USA. Das Hämangiom wurde erfolgreich operiert.

Sein Bild geistert seit 2007 im Internet herum und wurde 2012 erstmals auf Facebook veröffentlich – für Clickbaits. In diesem Fall wird suggiert, dass Facebook pro Like und Teilen 3 Cent für den Buben spendet. Dazu ein Kommentar von Samuels Mutter, Hope Ettore:

Hope Ettore: Diese ganzen Erfahrungen waren äußerst stressig und schmerzvoll. Wenn man nicht die Kontrolle über eine Situation hat, in der das eigene Kind gefangen ist, belastet es einen sehr und man fühlt sich machtlos. Es war im Besonderen sehr ärgerlich, als wir dieses Bild auf Facebook-Seiten gesehen haben, die es missbraucht haben um „Likes“ und „Shares“ für ihre dummen (und oftmals niederträchtigen) Seiten zu bekommen. (…)
Die Menschen denken oft: “Ach, wem solls weh tun?“ Aber ich kann Euch genau sagen, wem es weh tut: Es ist das Kind und die Familie, die unter diesem Wahn leidet. Hinter jedem Foto von einem kranken Kind steckt eine Geschichte und auch eine Familie die sehr betrübt darüber ist, dass sie machtlos dastehen und mit ansehen müssen, wie ihr Kind zur Unterhaltung anderer benutzt wird. Ich bin der Meinung, die Leute sollten sich mehr in „Verantwortung im sozialem Netzwerk“ üben und zumindest ein wenig recherchieren, bevor sie IRGENDWAS teilen. Ich selbst teile ÜBERHAUPT NICHTS, ohne vorher zu hinterfragen.

Die Familie Ettore hat verzweifelt versucht, die Bilder löschen zu lassen – aber ein solcher Kampf zehrt an Geld und Nerven. Sie haben es aufgegeben.

Das ganze Interview gibt es hier: http://www.mimikama.at/allgemein/das-baby-mit-dem-krebsgeschwr-die-wahrheit/

Wenn Ihr bei Facebook oder sonstwo auf Seiten stoßt, die solche herzerweichenden Geschichten erzählen und zu “Like” und “Teilen” auffordern, bitte einmal zurücktreten, nachdenken und recherchieren. Ich habe einfach nur den Text in eine Suchmaschine eingegeben und ein bisschen gelesen. Ihr könnt auch auf http://www.mimikama.at/ suchen und schauen, ob die den Artikel schon gebrandmarkt haben.

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