Was Taschenbücher und YouTube gemein haben

Als ich noch jung war (was lange her ist), gab es ein paar Neuerungen in der Schule, bei Büchern und bei der Freizeitgestaltung.

Taschenbücher preiswert und überall zu kaufen – für mich eine willkommene Möglichkeit mit schmalem Taschengeld Bücher zu kaufen. Aber: Untergang der Lesekultur! Unkultiviert! Wie kann man solche Fetzen lesen?

Statt einer Schiefertafel haben wir in der ersten Klasse eine Plastiktafel verwendet (womit ich um das Vergnügen meines Mannes gekommen bin, der in seiner Schulzeit viele Schiefertafel zerdeppert hat). Untergang der Schreibkultur! Was soll aus dem Kind bloß werden!

Getoppt wurde das ein paar Jahre später mit dem Kugelschreiber. Entsetzlich! Das Kind wird nie ordentlich schreiben können. Das verdirbt die Handschrift!

Dann kam mein erster Taschenrechner – ein Hewlett Packard mit den einfachsten Grundrechenarten und ohne Batteriebetrieb. Teuer bezahlt (70 DM hat das Teil gekostet) von verdientem Geld. Entsetzlich! Schrecklich! Das Kind (naja, damals schon Teenager) wird nie rechnen können.

Telekolleg – kennt das noch jemand? Im Fernsehen wurden Lehrsendungen zu Englisch und Mathe, zu Physik und Biologie gezeigt. Ich habe eifrig damit gelernt. Und Professor Haber jeden Sonntag geguckt. Und später Hoimar von Ditfurth. Fernsehen? Gift für Kinder. Verbieten!

Viele meiner Onkel und Tanten der älteren Generation haben den Untergang des Abendlandes eingeläutet. Mein Werdegang wurde in den düstersten Farben gemalt. Aus dem Kind kann ja nichts werden!

Aus mir ist was geworden. Glaube ich zumindest. Meine Lernbegeisterung hält heute noch an und ich lerne heute mit Udemy und YouTube, lese auf eReadern und Tablets. Und gehe in die Volkshochschule, lese “richtige” Bücher (immer noch Taschenbücher!). Eine schöne Handschrift habe ich übrigens auch.

Das Abendland ging 1968 nicht unter und wird heute nicht untergehen, die Lernkultur hat keine Ende gefunden mit dem Taschenrechner und wird sie mit YouTube nicht finden. Andersrum: 1968 haben die meisten Menschen im Fernsehen Unterhaltung gesucht und die wenigsten haben es zum Lernen benutzt; 2019 suchen die meisten Menschen Katzenfilme auf YouTube und die wenigsten lernen damit – aber ein paar waren und sind es immer. Egal, welches Medium. Egal, welche Methoden.

Also bleiben wir alle gelassen und akzeptieren, dass Leute mit eBooks und Büchern lernen, andere mit YouTube und noch andere mit einfach allem, was daher kommt.

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